Vertigo

Bei der Mutter dreht’s sich, entweder wie im Kettenkarussell, dann ist es das Gleichgewicht, der Nerv, der nicht mehr will. Da liegst du flach und drehst, oder es dreht alles um dich herum; der Magen stülpt sich um; du kannst dich nicht bewegen, findest und triffst die Tasten deines Notruftelefons nicht, so schnell drehen die sich. Das kann überall passieren, und morgen oder in einem halben Jahr wieder. Und wenn’s vorbei ist, ist’s, als wärst du krank gewesen. Als müsste da jetzt erst alles wieder an die richtige Stelle finden in dir. Aber dann gibt’s da noch den anderen Schwindel, der kommt anders; der dreht anders; da fällt die Welt um. Die kippt sich über dich, und wenn es nur ein Tisch ist, eine Wand, oder ein Bücherregal. Die fallen dann auf dich drauf, und du fällst mit und denkst, jetzt gehst du unter, so darunter, unter all dem, der Welt, dem Tisch, der Wand, den Büchern. Und wenn du dann zurückkehrst ins Bewusstsein, die Augen wieder aufmachst, versuchst du auf allen Vieren irgendwohin zu gelangen, von wo aus du dich wieder nach oben, in ein Gleichgewicht zurückziehen kannst. Aber wenn’s vorbei ist, ist‘s vorbei, nur dass du nicht weißt, wie lange du da begraben am Boden lagst. Doch du bist frisch, musst dich nicht erholen, da bleibt nur die Angst. Davor fürchtest du dich dann, dass die bleibt, die Angst. Dass es passiert, ohne Vorwarnung, wieder und wieder, egal, wo du gerade bist, der eine wie der andere Schwindel. Die holen dich ein, egal, wo du bist, egal, was du machst. Die Mutter macht trotzdem, was soll sie auch sonst machen. Also macht sie weiter mit allem, was ansteht, und die Welt dreht weiter mit ihr, ganz unauffällig, bis sie dann wieder umkippt und auf sie drauffällt, oder ein Karussell sich wieder überdreht. Bis irgendwann vielleicht ein Karussell getarnt als Welt mit ihr zusammenfällt und diese Welt für alle anderen dann stehenbleibt.