Schampanskoje – Mit Ursula von der Leyen auf der Krim

Die Schnauze ist voll; der Kopf rast durch die Leere. Im Deutschen Theater setzen sie den Krimsekt von der Pausenkarte ab. Männer aus Dubai tanzen im Staatsfernsehen, während hinter ihnen Wellenprojektionen gegen die Wände schlagen und unverhüllte, langhaarige Frauen singen. Angela trägt Putin ihre neuesten Gedichte vor. Der Übersetzer würgt. Etwas stimmt mit der Verbindung nicht. Obama wird acht Jahre lang ein Sklave gewesen sein, aber der Oscar geht an einen anderen, der es auf zwölf gebracht hat. Kein Netzkontakt. Die Zeitungen in Arabischer Schrift. Im Fernseher Männer aus Dubai und marrokanische Telenovelas. Eine Mutter verabschiedet sich von ihrer Tochter; beide weinen. Die Szene dauert sieben Minuten. Es bleibt kein Mitleid, keine Trauer, nur Wut. In der Deutschen Oper nehmen sie Tschaikowski vom Spielplan. Eine Bild-Umfrage ergibt, dass 62% der Deutschen Vitali Klitschko für den besten Präsidenten der Ukraine halten. Nur ihren Jahresurlaub möchten sie dort nicht verbracht haben wollen. Die EU ist froh, dass die Krise nicht im vereinigten Europa verortet ist. Die Union bleibt unberührt, unbeteiligt. Die Türken waschen sich die Hände und wischen sich den Mund ab. In der Volksbühne finden erste Solidaritätskonzerte statt. Die Berber singen woanders. Die Berber bekommen von all dem nichts mit. Ein Portal dringt zu dir durch und zwingt dich, das Hotel, in dem du lebst, zu bewerten. Ein Zelt ist kein Hotel. Die Fischer hausen in Höhlen. Die Fahnen wehen erst im Frühjahr wieder. Frau von der Leyen kündigt Mali die freundschaftlich gereichte Panzerfaust. Sie engagiert sich lieber im Osten der Republik; sie trifft ihren polnischen Amtskollegen. Gemeinsam erholen sie sich in einem Portal mit bewegten Abbildungen gefangengenommener Boys. Schwarze Gestalten foltern junge, nackte, gefesselte, muskulöse Russen. Frau von der Leyen wirft Münzen nach. Ihr Ältester wird vom Einsatzkommando ausgesperrt. Die Esel singen. Die Esel sind treu. Nachts scheißen die Schafe und die Kamele den Strand voll. Putin treibt noch immer im Fluss; die Narbe schmerzt. „Es gibt hier sonst nichts zu sehen“, bemerkt ein Zahnarzt aus Dortmund. Seine Frau träumt von einem geräumigen Badezimmer, einem, das nicht nach Eselscheiße stinkt. Sie verlassen Europa. Auf der Krim geht der Sekt aus. Im Deutschen Theater werden Spendenkörbe aufgestellt. In Dubai ist Sendeschluss. Putin bläst eine Kerze über einem der gefesselten jungen Männer aus. Flüssiger Wachs rinnt heiß über das Brustbein des Soldaten. Seine Haut rötet sich. Die Peitschen sind aus Ziegenhaut. Ein Zahnarzt möchte ins Schlafzimmer seiner Frau. Die Berber weisen ihm die Tür. Morgen ist auch noch ein Tag. Und wie jeden Morgen beginnt Frau von der Leyen auch diesen mit einer Andacht, die ihr und auch den Polen neue Kraft schenkt.