NSA zeigt Enthauptungsvideo mit Barack Husein Obama

Wir sitzen in einem Hotel in Hongkong fest. Draußen rücken die Uniformierten vor, um die Barrikaden zu räumen. Levin ist an die feuchte Hitze und den Feinstaub nicht gewöhnt, aber wir haben keine Atemschutzmasken dabei. Unauffällig suchen wir nach Spuren von Ed. Auf dem Bildschirm flimmert CNN. Sie lassen das Kamerateam nicht in den Sitzungssaal des US-Kongresses im Capitol; die Abgeordneten und Senatoren dürfen die Sitzung nicht verlassen. Die NSA-Police hat alles abgeriegelt. Die Officers tragen im Gegensatz zu uns Masken, aber wenn die Kameras ihre unverdeckten Augen einfangen, erkennen wir darin die Opferbereitschaft jedes Einzelnen. Egal, wen sie mit in den Tod reißen, sie werden die Ersten sein. Selbst CNN wird klar, dass es da kein rein oder raus mehr gibt. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als die Bilder der Überwachungskameras aus dem Saal zu hacken, dagegen kann auch ein NSA-Police-Officer nichts ausrichten. Die Demonstranten in Hongkong bekommen  davon nichts mit. Sie sind müde, isoliert; am Ende haben die Kräfte nicht ausgereicht. Wir starren abwechselnd aus dem Fenster und auf den Bildschirm, der die Bilder der Überwachungskameras von der Sitzung des US-Kongresses wie den Rohschnitt eines David Lynch-Films erscheinen lässt. Ein „Barack Husein Obama“-Transparent ist an der Stirnseite ausgerollt, darunter hockt der Präsident der Vereinigten Staaten mit verbundenen Augen auf den Knien. Die Führungsoffiziere der NSA postieren sich in seinem Rücken. Die Kongress-Abgeordneten rühren sich nicht. Richard H. Ledgett, Jr. hält eine Rede, aber Überwachungskameras übertragen keinen Ton, und zur Abhöranlage bekommt CNN keinen Zugang. In unserem Hotel wird Feueralarm ausgelöst. Auf einmal werden die Bilder scharf und erscheinen in Farbe. Donald Rumsfeld wird als Ehrengast begrüßt. Er segnet die Machete, die Richard H. Ledgett, Jr. ihm präsentiert. Unter Barack Husein Obamas Achseln breiten sich die dunklen Flecken weiter aus. Die Lippen der Kongressabgeordneten beginnen sich synchron zu bewegen; es scheint, als würden sie Star-Spangled Banner singen. Auch der Ton der Bilder vor unserem Hotel überträgt sich nicht. Die Fenster sind schalldicht isoliert und lassen sich nicht öffnen. Demonstranten werden lautlos geräumt. Selbst Barack bleibt stumm. Nicht, dass seine Lippen sich nicht bewegen würden, allerdings nicht lippensynchron zu Star-Spangeld Banner. Er hält seine letzte Rede, mobilisiert alle Kräfte – noch einmal als Redner triumphieren, noch einmal selbst an die Worte glauben, mit denen er sich zu diesem Ich aufgeschwungen hat, das er nie geworden ist. Sein Gesicht bleibt grau und fahl, obwohl die Bilder jetzt in Farbe laufen. Rumsfeld putzt sich die Brille, die Abgeordneten applaudieren, weil sie zu Ende gesungen haben. Richard H. Ledgett, Jr. reckt den Arm mit der Machete in die Höhe und brüllt eine Kampfansage in den Saal, deren Inhalt sich nicht ablesen lässt, aber die Spezialeinheiten der Sicherheitskräfte aus Hongkong halten inne. Für einen Moment scheint es, als würde es zu regnen beginnen. Barack Husein Obama senkt sein Haupt, dann trifft die Klinge der von Richard Ledgett geführten Machete auf sein Genick und trennt Barack Husein Obamas Kopf kunstvoll vom Rest seines Körpers. Die Abgeordneten wissen nicht, was tun, also fangen sie erneut an, ihre Hymne zu singen. CNN muss auf Werbung umschalten. Die Barrikaden in Hongkong stürzen in den Perlfluss. Unser Hotel brennt doch nicht. Trotzdem wird es höchste Zeit, aufzubrechen.