Muslimtest für Slowaken

In Prenzlauer Berg alles fein säuberlich getrennt, die Weißköpfe, ein paar Gelbe, ein Schwarzer, Türken, Perser, Araber nur im Spätverkauf hinterm Tresen – klare Grenzen. Bei Frau Mittenmang speist einer, der empfiehlt als Vorspeise das Tartar, dazu einen Sauvignon Blanc, dann die Gnocchi mit Pfifferlingen, Preiselbeeren, Waldkräutern, Ziegenkäse, dazu Chardonnay, den schüttet er gerade in sich hinein und sagt: Beim Gelben Mann geh ich nicht essen. Da stinkt es. Da kann ich mich nicht zu überwinden. Er arbeitet als Servicekraft im Augustiner am Gendarmenmarkt, aber er muss keine Lederhosen tragen. Das machen da nur die Geschäftsführer. Die meisten der Gäste sind Asiaten. Über dem Augustiner die Musikschule von Ernst-Busch. Da üben sie ‚Bilder einer Ausstellung’ vom Mussorgsky am Klavier. Das wiederholt der Ober ständig, als wollte er Anerkennung, weil er das kennt, weil er weiß, dass es ein Orchesterwerk ist, deswegen gefällt es ihm so gut nur mit Klavier, weil man das sonst nirgends so zu hören bekommt, nur da unten beim Augustiner auf der Terrasse, wo er bedient. Der Gelbe Mann. Alles fein säuberlich getrennt in Prenzlauer Berg und Mitte. Christen bekennen hier nur in Kirchen. Man erkennt sie auch an den letzen Kohleöfen, die es hier noch gibt, die gibt es nur noch in Wohnungen von Christen. Moscheen gibt es keine. Wenn du im Spätverkauf hinterm Tresen stehst, schaffst du es nicht in die Moschee. Ein persischer Muslim macht seinen Spätkauf schon um 8 Uhr morgens auf, weil er auch Sammelstelle für Hermes ist. Er gelt sich die Haare, Schwarzkopf, und manchmal kommt sein Hund ihn abholen, ein Bullterrier, der ständig alle ableckt, also irgendwie falsch erzogen wurde. Spätkauf für Christen, Paketversand für Muslime, Bulldoggen für Servicekräfte, Kohleöfen für Deutsche, die Straßen den Slowaken.