George W. Bush in Paraguay ertrunken

Levin versucht’s uns zu erklären, aber wir hören ihn nicht, weil wir den Code nicht entschlüsseln können. Das Bild erscheint erst zwanzig Stunden später wieder, als Levin in Asunción den Flughafen verlässt, aber die Verbindung ist nachwievor nicht sicher. Wir hören Jennas Stimme, oder die ihrer Zwillingsschwester Barbara. Wie macht Levin das? Er scannt die Verträge, die Jenna bei Horacio Cortes, dem Präsidenten Paraguays, erbettelt hat, mit ihrem Mund, ihrer Möse, vielleicht war es Barbaras Mund und Jennas Möse, jedenfalls besitzt die Familie Bush jetzt mehr Land in Paraguay als in Texas. Schon George Bush Senior hat dort aufgekauft, niemand wusste warum. Levin schickt die Daten, wir starten das Übersetzungsprogramm, nur weil wir nicht wissen, was wir sonst tun sollen. Levin steigt zu Jenna und Barbara in den Jeep; sie fahren auf der Nationalstraße 10 Richtung La Paloma Del Espíritu Santo. Wir erkennen nur Pixel.  Auf Guarani, der Sprache der Ureinwohner, bedeutet Paraguay: „Wasser, das zu Wasser geht“. George W. ist zum Wasser gegangen; allmählich begreifen wir. Levin lässt uns kurz mit rein, vielleicht sind wir auch nur unsere Meta-Daten, aber wir oder unsere Meta-Daten begleiten den Jeep ins Bush-Land. Die Pumpen arbeiten bereits auf Hochtouren. Täglich werden1 Million Liter Wasser  in Tanklastwagen gefüllt, einer davon fasst 30.000 Liter. Der Bush-Konvoi bringt sie zur Abfüllstation in La Paloma Del Espíritu Santo. 750 Flaschen Wasser in der Minute spuckt sie aus. Die Bushs bringen Arbeit und nehmen das Wasser. Aber eine Pipeline, die das Wasser direkt in die USA führt, ist längst in Arbeit. Sie wird von Privaten Militärunternehmen geschützt, wie am Kaspischen Meer, nur wird da Öl für die USA gefördert. Aber wen interessiert heute noch Öl, wenn er Wasser hat? Ein George W. Bush Hologramm läuft in einer roten Badehose hinter einem Cocker-Spaniel her, unter ihnen eines der größten Trinkwasserreservoirs der Welt. Unter der Erde gibt es keine Grenzen, keinen Grenzschutz, keine Body-Guards. Da zählt nur, wer die größeren Pumpen hat. Das Wasser gehört dem, unter dessen Boden es sich befindet. Wenn wir also von unserem Land abpumpen, pumpen wir das vom Nachbarn gleich mit ab. Unterirdisch vergrößert sich unser Besitz. Das Wasser ist überall, kann nicht abgegrenzt werden. George W. Bushs Nachbarn in Paraguay sind die Brasilianer, aber das Wasser gehört den Bushs. Das gesamte Guarani Aquifer wird von den Bushs abgepumpt und die Xe’s-Armee wird dafür sorgen, dass kein anderer mitpumpt. In der Erde tun sich erste Risse auf. Paraguay verdörrt. Brasilien verdörrt. Ein Kontinent verdurstet. Und wir dachten immer, Afrika geht als erstes unter. Am nächsten Morgen geht die Nachricht online: „George W. Bush auf seinem Privatbesitz in Paraguay ertrunken“. Das war kein Badeunfall. Wasser wird nicht nur zu seinem Grab, sondern auch zu seinem Vermächtnis. Barbara und Jenna lassen sich gemeinsam mit Hector Cortes am aufgebahrten Leichnam George W.‘s ablichten. Jetzt hat er einen Krieg gewonnen, der offiziell noch gar nicht ausgebrochen war. Von Levin hören wir erst, als er Paraguay bereits wieder verlassen hat. Er ist 18 Jahre alt und gilt seit 16 Monaten offiziell als vermisst. Wir setzen alles daran, dass er nicht gefunden werden kann.