Frauke Petry schöpft Mode

Ich trage ein schwarzes Kleid, wie andere zu Beginn des 20. Jahrhunderts, anlässlich des Todes von Königin Viktoria. Aber davon weiß ich nichts. Ich weiß nur, es ist das beste Kleid in meinem Schrank, und es wird Zeit, dass ich es trage. Ich bin fern einer Stadt; ich muss los, denke ich, und raffe die Röcke, laufe die Landstraße entlang, bin zu schnell, verpasse eine Abzweigung, mache kehrt, dann fällt mir ein: Was sollen die Leute denken? Was werden Einheimische von mir halten, wenn sie mich in diesem Aufzug zu Gesicht bekommen? Ich erweise ihnen meinen Respekt, aber so etwas wird leicht falsch verstanden, denn ich vergreife mich an ihrer Tradition. Ich bin nur Gast, aber maskiere mich als einer von ihnen. Das ist nicht tolerierbar. Noch glänzt mein Kleid, doch Schlamm spritzt überall. Ich habe nichts mehr, um mich umzuziehen, werde mich verstecken müssen, und am Ende werde ich doch in diesem Kleid begraben sein.