Die Macht der Krise

Wenn wir die Realität nicht mehr ertragen, verlagern wir sie ins Theater, die Literatur, die Kunst, den Film. Deren Aufgabe ist es, Realität entweder so darzustellen, dass sie erträglich wird, oder so, dass wir uns aus der Distanz heraus versichern können, nicht unbedingt ein Teil von ihr zu sein – wenn wir nicht wollen, schauen wir nur zu. Oder wir versichern uns im Moment der Gegenüberstellung unserer Verantwortung, uns der Realität wenigstens aus der Distanz heraus gestellt zu haben. Wenn aber das Theater, die Literatur, die Kunst, der Film und deren Produzenten als unpolitisch gelten, handeln sie unverantwortlich im Sinne der Kritik, weil sie ihrem Publikum die Möglichkeit verweigern, sich selbst herauszuhalten.  Sobald ich öffentlich werde, bin ich gesellschaftlich relevant, was aber nicht bedeutet, dass ich Kunst produziere, bloß weil ich veröffentliche. Gesellschaft bedeutet die Gesamtheit der Menschen, die sich aber in Grenzen fassen, deswegen gibt es Gesellschaften. Ich trete bei oder werde ausgeschlossen; es gibt also Menschen außerhalb von Gesellschaften. Werden sie sichtbar, werden sie relevant, deswegen verlagern wir sie ins Theater, die Literatur, die Kunst, den Film, wo sie zur Idee eines Menschen werden, denn nur als Idee oder künstlerisches Produkt können sie Mensch und zugleich kein Teil einer Gesellschaft sein.