3. Advent - Mit meiner Mutter im Ritz Carlton

„Wenn es dich beruhigt, dass du schwitzt, dann schwitz“, meint meine Mutter und schmeißt die Tür hinter sich ins Schloss. Irgendetwas stimmt nicht mit der Grammatik dieses Abschiedsgrußes. Ich schwitze und beruhige mich, danach gehe ich auf die Straße und frage bei Mannis Kiosk nach, wie viel meine Mutter heute schon verspielt hat. Mohammed meint, die Automaten hätte er sperren können, aber sie sei in einer der Kabinen online gegangen und spiele jetzt Poker ohne Limit. Ich versuche sie da rauszuzerren, ohne Erfolg. Sie schreit um Hilfe und behauptet mich nicht zu kennen. Mohammed zuckt nur mit den Schultern, wir sind beide hilflos. Am nächsten Morgen ist das Gästezimmer, in dem meine Mutter seit drei Monaten campiert, leer. Keine Nachricht, nichts. Ihre Reisetasche steht offen, ist leer. Ich rufe sie an, sie meldet sich, sagt, sie sei mit Fritz ins Ritz Carlton zum Champagnerfrühstück. Ich habe keine Ahnung, wer Fritz ist, aber ich weiß, was passiert, wenn meine Mutter Champagner trinkt, und ich wette, Fritz weiß es nicht. Ich kann mir ein Lächeln nicht verkneifen, auch wenn klar ist, dass es spätestens heute Abend für mich nichts mehr zum Lachen gibt.